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Ein Vorstoß in der Dunkelkammer – Papierentwicklung mit Caffenol (und anderen Alternativen) – Dunkelkammer Alchemie mit Kay Adams

Analoge Schwarz Weiss Filme in Hühnerbrühe entwickelt? Genug Internet für heute…

Keine alltägliche Kombination, aber laut eines Artikels den ich gefunden habe durchaus machbar. Und die Ergebnisse waren wirklich sehenswert! Natürlich weckte dies mein Interesse für alternative Entwickler. Nach kurzer Suche fand ich Berichte über Tee, Kaffee, Wein und sogar Urin.

 

 

Mit dem Kaffee in die Dunkelkammer

Dunkelkammer alchemie- Caffenol-C

Dunkelkammer alchemie- Caffenol-C

Nach dem nächsten verschossener Film, und der Entdeckung, dass mein Entwickler mittlerweile eine braune Brühe war, gab ich Caffenol-C eine Chance.

Die Ergebnisse waren herrlich, und der nächste logische Schritt (zumindest für mich), war die Entwicklung des Papiers in Kaffee.

Also baute ich meine Schalen auf, und fügte noch eine Wasserschale zwischen Entwickler und Stopbad ein um alle Rückstände abzuwaschen. Da ich keine genaue Waage besitze musste ein Löffel als Einheit dienen.

Alles was man braucht ist in der Drogerie und dem Supermarkt erhältlich:

  • 500ml destilliertes Wasser (oder Leitungswasser)
  • 6 Teelöffel instant Kaffee (je billiger, desto besser)
  • 3 Teelöffel Vitamin C Pulver (direkt alsPulver oder zerstoßene Tabletten)
  • 1,5 Teelöffel Waschsoda

Das Ergebnis ist eine selstsam riechende und ziemlich dunkle Suppe. Der Geruch kann nicht nur Kaffeesucht heilen, sondern der braune Ton macht es auch sehr schwer, nach Sicht zu entwickeln. Ich beschloss also, das Papier nach jeder Minute kurz zu wässern um den Stand der Entwicklung zu prüfen.

Ich benutze genrell PE-Papier, und nach 4:30 hatte ich ein sehr gutes Ergebnis. Nach 2 Blättern musste die Zeit um 30 Sekunden verlängert, und nach etwa 4 Din A4 Blättern ein neuer Ansatz gemischt werden.

 

 

Von Caffenol zu Saftnol, Teenol und anderen Experimenten

Glücklich über die Ergebnisse ging ich einkaufen, und sofort schlug die Neugier zu. Ich beschloss, die komischsten Sachen die ich finden konnte zu kaufen, und endete mit verschiedenen Säften, Kindermundwasser, Haarwasser, Tee, scharfe Tomatensuppe und Buttermilch an der Kasse.

Zurück in der Dunkelkammer wurde nach dem Caffenol-C Rezept angemischt:

  • 500ml Flüssigkeit (Tee,Suppe,Saft…)
  • 3 Teelöffel Vitamin C Pulver
  • 1,5 Teelöffel Waschsoda

Da ich Angst vor einem kompletten Fehlschlag hatte, began ich mit den Säften und Papier mit harter Gradation.

 

 

Von Rote Beete, Karotten und Trauben

Den Anfang machte der rote Beete Saft, welcher gemischt mit dem Waschsoda einen widerlichen Geruch verbreitete. Die dickflüssige, schwarze Pampe machte die Entwicklung zu einer Tortur.

Der erste Versuch musste nach 10 Minuten abgebrochen werden, der zweite Versuch wurde mit einem 10 Sekunden bei Offenblende belichteten Papier konnte dann nach 7 Minuten teilweise als Erfolg mit niedrigem Kontrast verbucht werden.

Dunkelkammer alchemie- Rote Beete

Dunkelkammer alchemie- Rote Beete

Der nun angemischte Karrottensaft benötigte 6:30 für die Entwicklung, das Ergebnis war erstaunlich körnig für einen APX100 Film und mangelte erneut an Kontrast.

Dunkelkammer alchemie- Karrottensaft

Dunkelkammer alchemie- Karrottensaft

Zum Abschluss der Saft-Orgie mischte ich Traubensaft mit Waschsoda. Der rote Saft wurde sofort grün, und es roch erstaunlich lieblich nach Rotwein. Ein stark und lang belichtetes Papier und 7 Minuten später konnte ich ein schönes rot getöntes Bild in das Stopbad gleiten lassen. Leider zeigte es sich, dass die Färbung an der Sonne ausbleicht. Dennoch ist das Bild das Beste der Saft-Serie.

Dunkelkammer alchemie- Grape Juice

Dunkelkammer alchemie- Traubensaft

 

 

Von Suppe, Buttermilch, Mundwasser und Haarwasser

Nun war es Zeit für die Tomatensuppe. Der mexikanische Geruch lies mich fast etwas hungrig werden. Erneut trat das Waschsoda als Spielverderber auf, denn Geruch und Hunger änderten sich nach dem Untermischen schlagartig. Ich war froh, als ich nach 8 Minuten die Entwicklung fertig war.

Dunkelkammer alchemie- Tomatensuppe

Dunkelkammer alchemie- Tomatensuppe

Das Bild hat einen sehr harten Kontrast und war bisher das Schlechteste. Falls ich den Geruch wieder brauche, versuche ich es mit weichem Papier. Nachher ist man immer schlauer.

Die Buttermilch Phase stellte sich als totales Fiasko heraus. Ich konnte keinen guten Abzug erstellen, immer klebten Reste der Milch auf dem Papier und verhinderten hier die Entwicklung. Aber kommt schon: Buttermilch als Entwickler wäre auch zu verrückt oder?

Dunkelkammer alchemie- Buttermilch

Dunkelkammer alchemie- Buttermilch

Die letzten beiden Einkäufe waren Haarwasser und Mundwasser. Irgendwie war es mir nicht möglich, das Waschsoda in den Flüssigkeiten komplett aufzulösen. Die Bröcken führten an den Stellen, an denen sie mit dem Papier in Kontakt kamen, zu dunklen Stellen die mich fast an Brandflecken erinnern.

Dunkelkammer alchemie- Mundwasser

Dunkelkammer alchemie- Mundwasser

Dunkelkammer alchemie- Haarwasser

Dunkelkammer alchemie- Haarwasser

Beide Ansätze funktionierten dennoch erstaunlich gut, und brachten nach kurzen 4:30 neben dem Caffenol-C die ansehnlichsten Ergebnisse.

 

 

Kaffee ist nicht alles

Rein aus Neugier beendte ich die Experimente damit, Leitungswasser mit Vitamin C und Waschsoda zu mischen. Zwar zeigte sich auf dem Papier auch Zeichnung, jedoch war diese so zart, dass ich das Bild (leider) nicht gescannt habe. Ich komme also zu der Erkenntnis, dass es nicht direkt auf die Flüssigkeit ankommt, sondern auf das Waschsoda und das Vitamin C.

Dunkelkammer alchemie- Leitungswasser

Dunkelkammer alchemie- Leitungswasser

Wenn man sich die Grundlagen der Entwicklung ansieht, erkennt man, dass es hierbei um die Redukion von Silbersalzen zu metallischem Silber geht. Dies funktioniert meist in einer basischen Umgebung, und diesen Job übernimmt das Waschsoda. Im richtigen Verhältnis verwandelt es sogar „saure“ Säfte in basische Flüssigkeiten. Das Vitamin C reduziert die bereits so schon lange Entwicklungszeit.

Ich weiß, dass meine Abzüge es nicht mit in normalem Entwickler ausgearbeiteten Abzügen aufnehmen können. Dies war aber auch nie mein Ziel. Ich wollte lediglich eine Antwort auf die Frage: “Wird es klappen?”

Und das kann ich nun mit „Ja!“ beantworten.

Danke für’s lesen!

~ Kay Adams

 

 

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About The Author

Kay Adams

Ever since I was 16, I tried to get my hands on everything related to photography. I started digital, but switched almost completely to analog photography. I work with all sizes, ages and types of cameras I can get a hold of. I develop and print by hand as well. My passion besides classical photos is to create something off the beaten tracks.

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